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18. Juni 2009
Die Allianz und zahlreiche weitere Kfz-Versicherer haben eine Abkehr vom 1. Januar als alleinigem Hauptfälligkeitstag für Haftpflichtversicherungen angekündigt. Das bewirkt auf dem Autoversicherungsmarkt für alle Beteiligten in mehrfacher Hinsicht einen Wandel.
Bisher konnte eine Wechsel der Kfz-Haftpflichtversicherung nur zum Stichtag 1. Januar vollzogen werden. An diesem Tag bekamen alle Versicherten ihre Jahrespolice für die kommenden 12 Monate ausgestellt und es wurde über Rabatte, Prämien und Einstufungen entschieden. Diese Praxis wird sich in Zukunft nun ändern, da viele Versicherer ihren organisatorischen Aufwand entzerren wollen und daher die Hauptfälligkeit flexible übers Jahr verteilen wollen. Die zu erwartenden Folgen sind zwar scheinbar grundlegend absehbar, werden aber nicht unbedingt zeitnah zu spüren sein.
So können nun Kunden über das ganze Jahr verteilt und jeweils zu ihrem Festtermin ihre Kfz-Haftpflichtversicherung wechseln. Das müsste theoretisch den Wettbewerb anheizen und für mehr Kündigungen und Neuverträge aufgrund der vermehrten Zahl von Wechseln sorgen. In einem Bericht des “Focus” prognostiziert Christian Hamann, Analyst bei der Hamburger Sparkasse, jedoch zunächst das Gegenteil: “Kurzfristig geht die Wirkung gegen Null, weil sie nur im Neugeschäft wirksam ist. Viele Kunden lassen ihre Verträge aber bekanntlich weiterlaufen.”
Werbung und Rabatte
Für kleinere Anbieter wird die Situation darüber hinaus auch nicht zwingend besser. Konnten diese bisher ihre Werbung noch um den Jahreswechsel herum bündeln, müssen sie zukünftig das ganze Jahr über direkt mit den Großen konkurrieren – vor allem finanziell ist das problematisch und aufwändig. Den Kunden selbst wird durch diesen Effekt und die Tatsache, das auch die Verbraucherportale und Testexperten regelmäßig vor dem 1. Januar entsprechende Vergleiche und Tests veröffentlichten, die Übersicht über den Markt eher erschwert. Davon profitieren in der Regel letztendlich die dickeren Versicherungs-Fische. Auf der anderen Seite hat der Kunde aber auch mehr Zeit, um den Markt umfassend und in Ruhe zu sondieren und wird nicht mehr mit einem postweihnachtlichen Werbebündel erschlagen.
Für Neukunden bringt die neue Flexibilität nun aber ebenfalls Nachteile mit sich. Wer bisher mitten im Jahr ein neues Auto erwarb und versicherte, konnte am nächsten 1. Januar nach wenigen unfallfreien Monaten bereits für das nächste Jahr die Schadenfreiheitsrabatte einsacken. “Wer im Mai ein Auto kaufte, bekam eine 7-Monatspolice und zur Hauptfälligkeit die Jahrespolice” inklusive Rabatt, erklärt ein Experte im “Focus” den Sachverhalt beispielhaft. Künftig müssen Neukunden allesamt die vollen 12 Monate ohne Schaden fahren, um für das nächste Jahr die entsprechenden Abschläge einzuheimsen.
Insgesamt ist der Wandel, der auf den ersten Blick entzerrend und sinnvoll erscheint, also nicht nur positiv zu bewerten und beinhaltet durchaus einige Nachteile. Wie stark sich diese am Ende auf die Marktsituation insgesamt sowie auf Versicherer und Versicherte im Speziellen auswirkt, ist aber noch nicht mit Sicherheit zu prognostizieren.
Kommentare lesen (1)
Juli 11th, 2009 um 01:29
Sensationell, welche Gedanken da im Umlauf sind.